„im anfang das safeword, trennt leiden / von lust. am kreuz die passion“
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Anna Julian Mendliks neuester Gedichtband Dante im Darkroom verbindet Göttlichkeit und queere Sexualität. Letztere wird in mythologische und theologische Figuren eingeschrieben und erschließt sich dadurch einen neuen Raum. Mendlik erzählt von Gomorrha und vom sanften Licht in Arkadien, von Pluto als Incel und Proserpina als der Hohepriesterin des Darkrooms, von Gewalt und Begehren. Geschlechtliche Vielfalt findet beispielsweise im Gedicht Engel Ausdruck, welches appelliert: „lasst uns doch, lasst uns doch selber sprechen / sternchen hier, sternchen da, kisskiss“. Die grandiosen Titel der Texte sind eine Wonne: antinoos, sweet pussyboy oder babydykes als hungrige vampyre und stimmen auf das sprachliche Gespür Mendliks ein.
„pretty as butch“
In konsequenter Kleinschreibung reihen sich die mitunter multilingualen Gedichte aneinander, die überwiegend in vier Strophen gehalten sind. Eden und Haine, Amazonenlyrik, Gebete und Gebote, Dämonen im Chat, Engel und andere Luder sowie Nachtlieder bilden die sechs thematischen Kapitel, unter denen Mendliks Texte versammelt sind. Die dichotome schwarz-weiß Ästhetik des Bandes – passend angelehnt an das Dunkel des Darkrooms – zieht sich durch die teils vollständig geschwärzten Seiten, die die Gedichtkapitel visuell voneinander abgrenzen. Die Sprache ist selbstredend poetisch, kommt jedoch ohne ein Reimschema aus. Eine sinnliche, bisweilen nachdenkliche Erotik ist dem Stil inhärent. Obgleich der mythischen Referenzen wiegt der Ton nicht schwer, sondern macht seine Modernität durch die eingeflochtenen zeitgenössischen Elemente im Kontrast deutlich. Alles ist politisch, so auch queere Sexualität. Mendlik verdeutlicht dies, indem in hell house „MAGA cappies“ auf „verbotenes leben und überleben im limbo“ treffen und die Situation von Geflüchteten bzw. der europäische Umgang damit durch Verse wie „auf lesbos brennen die zelte“ thematisiert werden.
Klare Empfehlung für einen Gedichtband, in dem eine lesbische Daphne Diana vorzieht und Apollon verschmäht sowie eines der Kapitel mit fisting beginnt und mit beten endet.
von Michaela Minder

Anna Julian Mendlik
Dante im Darkroom
Verlagshaus Berlin 2026
128 Seiten
22,00 Euro
ISBN 978-3-910320-11-6