Wie findet man seinen Platz in einer Welt, die sich ständig verändert
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Mit Die Möglichkeit einer Ordnung gelingt Denis Pfabe ein ungewöhnlicher Roman, der den Baumarkt als Schauplatz literarischer Handlung wählt und daraus weit mehr macht als nur den Hintergrund einer Geschichte. Der Alltag zwischen Regalen, Schrauben und Kunden entwickelt sich zu einem Mikrokosmos, in dem Themen wie Routine, Veränderung, Einsamkeit und die Suche nach Orientierung verhandelt werden. Gerade dieser ungewöhnliche Schauplatz macht den Roman besonders und hebt ihn von vielen anderen Gegenwartsromanen ab. Pfabe verarbeitet dabei eigene Erfahrungen aus seiner Zeit im Baumarkt, wodurch viele Situationen authentisch und glaubwürdig wirken.
Besonders gelungen sind die zahlreichen alltagsnahen Situationen. Viele Begegnungen mit Kolleginnen, Kollegen und Kundschaft wirken lebensnah und nachvollziehbar. Dadurch entsteht das Gefühl, selbst durch die Gänge des Baumarkts zu laufen und Teil dieses Kosmos zu sein. Der Roman lebt weniger von spektakulären Wendungen als von seinen genauen Beobachtungen des Arbeitsalltags und den kleinen zwischenmenschlichen Momenten. Gerade diese ruhige Erzählweise macht das Buch angenehm zu lesen. Man muss sich nicht ständig auf komplizierte Handlungsstränge konzentrieren oder tiefgründige Symbolik entschlüsseln, sondern kann sich einfach auf die Geschichte einlassen.
Auch sprachlich überzeugt der Roman an vielen Stellen. Pfabe schafft es immer wieder, alltägliche Situationen mit originellen Bildern und einer besonderen Atmosphäre zu versehen. Humor und Melancholie wechseln sich ab und verleihen der Geschichte eine eigene Stimmung, die lange nachwirkt. Besonders die Darstellung der Figuren wirkt authentisch, weil ihre Unsicherheiten, Routinen und Wünsche nie übertrieben dargestellt werden. Statt großer Dramen erzählt der Roman von Menschen, die versuchen, ihren Platz in einer sich ständig verändernden Arbeitswelt zu finden.
„Also ging er es an wie alles, zackig und geradeheraus“
Dennoch hat der Roman auch einige Schwächen. Vor allem die Sprache wirkt stellenweise unnötig kompliziert. Viele Sätze sind sehr lang und stark verschachtelt, sodass man sie teilweise mehrfach lesen muss, um ihren Inhalt vollständig zu erfassen. Dadurch wird der Lesefluss immer wieder unterbrochen, obwohl die Handlung selbst eigentlich leicht zugänglich ist.
Hinzu kommt die große Anzahl an Figuren. Viele Personen werden wiederholt mit Vor- und Nachnamen eingeführt oder erwähnt, was das Lesen erschwert. Gerade zu Beginn fällt es schwer, den Überblick zu behalten und sich alle Namen einzuprägen. Statt die Orientierung zu erleichtern, entsteht dadurch manchmal Distanz zu den Figuren.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft das Erzähltempo. Pfabe beschreibt viele Alltagssituationen mit großer Detailgenauigkeit. Das unterstreicht zwar die Authentizität des Romans und passt zum Grundgedanken der Geschichte, führt aber gleichzeitig dazu, dass sich manche Szenen unnötig in die Länge ziehen. Immer wieder verliert sich die Handlung in ausführlichen Beschreibungen von Arbeitsabläufen oder Nebensächlichkeiten, wodurch der Roman stellenweise langatmig wirkt. Gerade in der Mitte des Buches fällt es deshalb nicht immer leicht, kontinuierlich am Ball zu bleiben.
Trotz dieser Kritikpunkte überwiegt insgesamt der positive Eindruck. Die Möglichkeit einer Ordnung ist kein spannungsgeladener Pageturner, sondern ein ruhiger Roman, der vom Gewöhnlichen erzählt und gerade darin seine Stärke findet. Wer Freude an präzisen Alltagsbeobachtungen, glaubwürdigen Figuren und einer etwas anderen Perspektive auf die Arbeitswelt hat, wird mit diesem Buch viel anfangen können. Leser*innen, die hingegen ein schnelles Erzähltempo oder eine klar fokussierte Handlung erwarten, benötigen möglicherweise etwas Geduld.
von Nele-Christin Schäffauer

Denis Pfabe
Die Möglichkeit einer Ordnung
Rowohlt 2026
334 Seiten
25,00 Euro
ISBN 978-3-7371-0231-5