Matt Haig – Die Mitternachtsreise
Matt Haig – Die Mitternachtsreise

Matt Haig – Die Mitternachtsreise

Auf den Spuren der Vergangenheit

CW: Tod

Wilbur hat den größten Teil seines Lebens bereits hinter sich. Schon als Kind findet er im Buchladen von Agnes Bagdale einen Zufluchtsort vor den Problemen zu Hause. Viele Jahre später ist er erfolgreich, aber auch einsam. Als sein Leben schließlich endet, findet er sich in einem geheimnisvollen Zug wieder. Dort trifft er Agnes wieder, die ihn auf eine Reise durch seine Vergangenheit begleitet.

Gemeinsam besuchen sie verschiedene Momente aus Wilburs Leben. Dabei begegnet er Menschen wieder, die für ihn eine wichtige Rolle gespielt haben, und erlebt schöne, aber auch schwierige Erinnerungen erneut. Besonders seine Beziehung zu Maggie und verschiedene Entscheidungen aus seiner Vergangenheit beschäftigen ihn. Auf der Reise wird immer deutlicher, welche Erlebnisse sein Leben geprägt haben und welche Bedeutung manche Momente erst im Rückblick bekommen.

Eine Reise durch Erinnerungen

Die Idee hinter Die Mitternachtsreise ist interessant und bietet viel Raum zum Nachdenken. Matt Haig verbindet Wilburs Erinnerungen mit Themen wie Liebe, Verlust und wichtigen Entscheidungen im Leben. Dadurch entstehen immer wieder Momente, die auch zur eigenen Reflexion anregen. Besonders gelungen ist, dass diese Themen verständlich in die Handlung eingebaut werden und nicht zu kompliziert wirken. Auch der Zug als Ort der Reise passt gut, da Wilbur dadurch Stück für Stück durch verschiedene Abschnitte seines Lebens geführt wird.

Insgesamt liest sich der Roman angenehm und die verschiedenen Erinnerungen machen die Geschichte interessant. Etwas mehr Tiefe wäre allerdings bei der Gestaltung der Figuren möglich gewesen. Das betrifft nicht nur die Nebenfiguren, sondern teilweise auch Wilbur selbst. Obwohl man ihn durch viele Abschnitte seines Lebens begleitet und viel über seine Vergangenheit erfährt, bleibt er an manchen Stellen überraschend eindimensional. Ähnlich ist es bei einigen Menschen in seinem Umfeld. Sie wirken teilweise eher so, als wären sie für bestimmte Ereignisse in Wilburs Geschichte wichtig, während die emotionale Verbindung zwischen ihnen nicht immer richtig spürbar wird. Gerade weil Beziehungen und Erinnerungen eine so große Rolle spielen, hätte eine stärkere Ausarbeitung der Figuren die Geschichte noch persönlicher und emotionaler machen können.

Die Mitternachtsreise ist insgesamt ein angenehm zu lesender Roman mit einer interessanten Grundidee. Besonders die Reise durch Wilburs Erinnerungen und die damit verbundenen Gedanken über das eigene Leben machen das Buch lesenswert. Es gibt viele Impulse und Möglichkeiten, selbst über Erinnerungen, Entscheidungen und wichtige Menschen im eigenen Leben nachzudenken. Bei Wilbur und den anderen Figuren wäre zwar noch etwas mehr Tiefe möglich gewesen, trotzdem ist das Buch interessant zu lesen und bietet einige Gedanken, die auch nach dem Lesen noch im Kopf bleiben.

von Annalena Bennek

Matt Haig
Die Mitternachtsreise
Aus dem Englischen von Sabine Hübner
Droemer Knaur 2026
336 Seiten
24,00 Euro
ISBN: 9783732422296

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