Ben Lerner – Transkription
Ben Lerner – Transkription

Ben Lerner – Transkription

„Gibt es Dinge, nach denen Sie nicht gefragt werden wollen?“

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CW: Essstörungen, Holocaust, Tod

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Der Roman Transkription von Ben Lerner, welcher den The Orwell Prize for Political Fiction 2026 gewann und von Nikolaus Stingl übersetzt wurde, beschäftigt sich mit der Frage, wie man als Mensch Zugang zur Wirklichkeit erlangen kann und welche Bedeutung technische Geräte dafür haben.

Anhand von drei Männern entfaltet Lerner ein dichtes Beziehungsgeflecht und reflektiert entlang derer Lebensgeschichten, was es bedeutet ein guter Mentor, ein guter Vater und ein guter Freund zu sein. Das dreiteilige Buch nutzt dafür neben dem zentralen Handlungsstrang des namenlosen Ich-Erzählers auch Exkurse in die Leben von Thomas, seinem Mentor , sowie dessen Sohn, welcher zugleich ein College-Freund des Erzählers ist. Was anfangs wie verwirrende Nebenschauplätze wirkt, fügt sich am Ende zu einem großen Ganzen zusammen.

„[S]olltest du nicht anfangen aufzunehmen?“

Nachdem das Handy des Ich-Erzählers kaputt gegangen ist, entscheidet er sich, diese Tatsache zu verheimlichen und führt das letzte Interview mit seinem neunzigjährigen Mentor,, um dessen Lebensgeschichte festzuhalten. Weil kurz vorher sein Handy kaputt geht, zeichnet er es nicht auf , täuscht aber im Nachgang ein Transkript vor. Diese Szene bildet den Startpunkt des Romans und schürt möglichweise Erwartungen, dass eine Auseinandersetzung mit der akademischen oder journalistischen Bedeutung von Transkription folgt. Das zentrale Element des Buches ist jedoch die Auseinandersetzung mit technischen Geräten und der Frage, welche Funktion diese für den Menschen haben. Lerner nutzt diese Ausgangssituation, um ganz grundlegende menschliche Fragen zu stellen: Was ist real? Darf man Erinnerungen und Erfindungen vermischen? Wie kann man Lebensgeschichten konservieren?

Aufgrund der komplexen Figurenkonstellation und der ineinander verschwimmenden Lebensgeschichten, fällt es zu Beginn schwer, die drei Figuren fassen zu können und in die Handlung hineinzufinden. Genau das scheint jedoch Lerners Absicht zu sein. Der gesamte Roman ist geprägt von überraschenden Leerstellen und ungewöhnlichen Details. Immer wieder bricht der Autor bewusst mit den Erwartungen der Leser*innen und lässt dadurch die inhaltliche und stilistische Ebene verschmelzen.

Insgesamt handelt es sich um ein anspruchsvolles Werk, welche für Liebhaber*innen von philosophischen Lektüren zu empfehlen ist. Gerade weil es ein so kurzes, aber vielschichtiges Buch ist, fordert es die Leser*innen zum gründlichen Mitdenken heraus.

von Jasmin Fuchs

Ben Lerner
Transkription
aus dem amerikanischen Englisch von Nikolaus Stingl
Suhrkamp 2026
152 Seiten
24,00 Euro
ISBN 978-3-518-43275-4

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