Madeline Cash – Verlorene Schäfchen
Madeline Cash – Verlorene Schäfchen

Madeline Cash – Verlorene Schäfchen

Der ganz normale Familienwahnsinn

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CW: Drogenmissbrauch, Essstörung, Suizidgedanken

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Direkt von der ersten Seite an bekommen Lesende von Verlorene Schäfchen die große Besonderheit dieses Romans zu spüren: Die wunderbar schrägen Charaktere und trockener Humor, der immer wieder ganz unerwartet durchblitzt. Auch wenn diese Art von Witz vielleicht nicht jedermanns Geschmack treffen wird, zieht er sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch und bringt Lesende immer wieder zum Schmunzeln.  

Mittelpunkt des Romans ist die Familie Flynn, die nach außen zwar wie eine typische amerikanische Vorstadtfamilie wirkt, umso mehr man sie jedoch kennenlernt, desto mehr sieht man die Risse in der Fassade und die kleinen täglichen Krisen, die sie täglich näher an das totale Zerbrechen bringen. Der erste Auslöser dafür ist Mutter Catherine, die von der Ehe mit ihrem Mann Bud gelangweilt ist, und durch ein „Arrangement“ wieder etwas frische Luft in die Beziehung bringen möchte. Bud fällt zunächst in ein tiefes Loch und nähert sich einer Existenzkrise, findet dann jedoch wieder Halt in den „Verlorenen Schäfchen“, einer kirchlichen Selbsthilfegruppe. Auch die drei Töchter Harper, Louise und Abigail sind alles andere als normale Teenager und haben ihre ganz eigenen Probleme. Abigail, die einen Veteranen datet und mit ihrer Freundin Tibet bunte Pillen schluckt; Louise, die auf einer Online-Plattform ihre Liebe findet, jedoch dadurch komplett auf die falsche Bahn gerät; und Harper, hyperintelligent, die aus Langeweile Sprachen lernt und Verschwörungen aufdeckt. 

Die anderen Bewohner der Vorstadt sind jedoch nicht weniger skurril, wodurch ein Buch voll Sarkasmus, Situationskomik und Sprachwitz entsteht. Auch die wechselnden Erzählperspektiven machen das Buch sehr kurzweilig und abwechslungsreich. 

Dieses Buch ist wie eine amerikanische Sitcom: Viele Erzählstränge, witzige Dialoge, pures Familienchaos

Verlorene Schäfchen ist jedoch nicht ausschließlich ein humorvoller Roman, denn zwischen den witzigen Dialogen werden auch viele ernste Themen angeschnitten – etwas überspitzt natürlich. Es geht um Familie, Liebe, Selbstoptimierung, Mental Health, Online-Dating, Verschwörungstheorien, die Rolle der Kirche, und am Ende bewegt sich die Familiengeschichte sogar in die Richtung eines kleinen Krimis. Auch wenn die Probleme der fünf Familienmitgliedern erst einmal sehr eigenständig wirken, führen am Ende alle Fäden zusammen, und es entsteht ein zusammenhängendes (systemkritisches) Gesamtbild. 

Verlorene Schäfchen ist ein wunderbar skurriler Roman, der sich selbst nicht zu ernst nimmt. Wer sich für schräge Charaktere, witzige Dialoge und schwarzen Humor begeistern kann, ist in diesem Roman gut aufgehoben. Ein Buch, das sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken anregt. 

von Johanna Listl

Madeline Cash
Verlorene Schäfchen
Aus dem Englischen von Sophie Zeitz
Penguin 2026
320 Seiten
24,00 Euro
ISBN 978-3-328-60451-8

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